World War Z rettet Ihr Projekt

Was Sie von Zombies für Ihre Projekte lernen können.

Die etwas andere Filmkritik von Bianca Fuhrmann

 

„Papi, was ist ein Ausnahmezustand?“, fragt die Filmtochter von Brad Pitt, der als UN-Krisenexperte Gerry Lane die Welt vor dem sicheren Untergang retten soll. Damit bringt sie die Erkenntnis, dass ein ernsthaftes Problem besteht, auf den Punkt. Wenn es doch nur immer so offensichtlich wäre, dann könnte man viele Projekte und Unternehmen vor dem Untergang wiederbeleben. Aber Zombie-Projekte sind schlau. Sie tarnen sich, sie kommen schleichend und bieten die perfekte Projektheimat für die doch oftmals sehr geschundenen Projektmitarbeiter.

ZombieProjekte  © Bianca Fuhrmann
Zombie-Projekte © Bianca Fuhrmann

(Köln, 10.07.2013) Im Film „World War Z“ des Regisseurs Marc Forster erleben wir die Inversion der Zombies. Was hier als Fiktion erscheint, ist im realen Projektleben bereits bittere Realität. Zombie-Projekte lassen Unternehmen erstarren. Auch da kommen die Zombies schleichend wie im Film. Keiner weiß, wo der Ursprung ist, keiner kennt ein Gegenmittel. Was tun, wenn Verstecken nicht wirklich die Welt beziehungsweise das Unternehmen rettet? Der Film zeigt Irrwege bei der Bekämpfung von Zombies und gibt Überlebenstipps. Diese müssen wir nur noch ins Projektmanagement übersetzen ...

 

Die apokalyptische Film-Pandemie nimmt einen rasanten Verlauf und löscht eine Stadt nach der anderen aus. Die diversen Regierungen schauen mangels Lösungskompetenz hilflos zu. Erst ein Krisenstab der UN versucht den Dingen auf den Grund zu gehen. Es wird analysiert, auf Teufel komm raus. Vermutungen wie die Tollwut oder andere Virenkrankheiten bestätigen sich nicht. Erst der Filmvirologe versucht dem Ursprung des Problems auf den Grund zu gehen. „Mutter Natur ist die perfekte Killerin“, so der Virologe und führt fort „aber wie jeder Serienmörder will sie Anerkennung für ihre hässliche Tat. Und das ist die Schwachstelle.“ Ab hier wird die Analyse zielführend. Zuvor fragt man sich, womit man es zu tun hat, und was der Ursprung des Problems ist?

 

Der Film gibt keine Antwort darauf, woher die Zombies gekommen sind. Wahrscheinlich sehen wir die Lösung im zweiten Teil. Aber im realen Leben gibt es viele Auslöser von Zombie-Projekten. Da ist beispielsweise die Hierarchieangst oder die Besessenheit nach Anerkennung. Dabei stellt sich die Frage, was ist eigentlich ein Zombie-Projekt? Unter Zombie-Projekten verstehe ich, die äußeren oder inneren Bedrohungen ausgesetzt werden. Nichts geht mehr, die Projekte sind total verfahren, immer mehr Meetings bringen immer weniger Ergebnisse, bis bald nichts mehr geht. Der Stillstand ist unausweichlich. Diese Projekte mutieren langsam, aber sicher zu Zombie-Projekten. Und die Mitarbeiter fristen ihr Dasein als gehorsame Zombies, die das selbständige Denken längst abgeschaltet haben. Um den Zombies adäquat zu begegnen, muss man die typischen Horrorszenarien kennen und die Zombie-Signale richtig deuten.

 

 

Das wahre Gesicht der Zombie-Projekte

Hier gibt der Film drei Tipps, wie Sie Zombies in Ihrem Unternehmen erkennen können:

1. Zombies haben einen starren Blick und verdrehen die Augen.

Zombie-Mitarbeiter schauen weg, nehmen die Situation nicht mehr wahr und verharmlosen Tatsachen. Sie gehen sprichwörtlich über Leichen und ihr blinder Fleck wächst von Sekunde zu Sekunde.

 

2. Zombies beißen, fletschen die Zähne und wollen alle anderen infizieren.

Zombie-Mitarbeiter wollen, dass sich ihre Arbeitsweise verbreitet, damit am Ende alle zu Zombies mutieren. Deshalb wird diskutiert, manipuliert und unterdrückt, bis es zu spät ist.

 

3. Zombies handeln zielgerichtet

In der allgemeinen Verwirrung verlaufen Zombie-Projekte doch äußerst zielstrebig dem Untergang entgegen. Wenn man den Verlauf gut dokumentiert, ergeben sich automatisch viele Hinweise auf den baldigen Stillstand.

 

 

Irrwege bei der Bekämpfung der Zombies

Zuerst unternimmt der Film etliche erfolglose Lösungsansätze, um den Zombies Herr zu werden. Da wären beispielsweise das Erschießen, Zerhacken oder Verbrennen der Zombies. Toter als tot gibt es nicht, und somit ist dieser Lösungsweg nicht wirklich von Erfolg gekrönt. Übersetzt ins Projektmanagement würde das bedeuten: Zombie-Projekten mit noch mehr Bürokratie zu begegnen, lässt diese nur gedeihen.

 

Der zweite Filmansatz ist es, sich zu verstecken, Lebensmittel für mindestens zwei Wochen einzulagern und mit viel Hoffnung der Dinge zu harren, die da kommen. Und ehe sie sich versehen, haben sich diejenigen, die sich verstecken, infiziert und sind selber zu Zombies mutiert. Auch dieser Ansatz ist im Projektmanagement nicht zielführend. Es gibt Projekte, die über mehrere Jahre ihr Zombie-Dasein fristen. Aktuelle Beispiele gibt es genügend, wie das Drohnenprojekt der Bundesregierung, das Bahnprojekt Stuttgart 21 oder der Flughafenbau in Berlin.

 

Der dritte Filmansatz ist der Bau einer hohen Mauer, um sich abzuschotten. Auch dies funktioniert im realen Projektleben nicht. Gerade Projekte leben oft von einem hohen Grad der Interaktion mit anderen Menschen, Projekten, Abteilungen oder Dienstleistern.

 

 

Drei Überlebenstipps

Ist es wirklich so aussichtslos? Natürlich nicht. Der Film gibt drei Überlebenstipps, wie Sie Zombie-Projekte in Ihrem Unternehmen zur Strecke bringen und somit das Unternehmen sichern:

 

Tipp Nummer 1: Krümel erkennen, lesen und interpretieren

Krümel, also kleinste Hinweise, sind überall im Projekt verstreut. Hier hilft es, beim ersten Zweifel sofort genauer hinzuschauen und zu analysieren. Am besten geht das mit dem Fischgrätendiagramm von Ishikawa Kaoru oder mit meiner Projekt-Voodoo®-Puppenmethode.

 

Tipp Nummer 2: Verhaltensmuster erkennen – die Zombies im Film reagieren besonders auf Lärm

So ist es auch in Projekten. Zombies gehen auf alle los, die sich wehren und Lärm machen. Also all diejenigen, die querdenken, Ungereimtheiten hinterfragen, Lösungsansätze suchen oder dem Projekt zur Wiedergeburt verhelfen wollen. Kurz: auf alle, die ihr Vorhaben durchschauen. Damit outen sie sich und werden greifbar.

 

Tipp Nummer 3: Die Stärken des anderen nutzen

Zombies wollen gesunde Menschen infizieren, denn nur diese können ihnen Schaden zufügen und sie zur Strecke bringen. An den Schwachen, Kranken und Mitläufern gehen sie in der Regel vorbei. Im Film nutzt man diese Erkenntnis, um sich erst einmal als „schwach“ zu tarnen, um den Zombies die Vermehrungsgrundlage zu nehmen. Diese Taktik kann auch in Projekten funktionieren, um sich Zeit zu verschaffen und die eigenen Energiereserven nicht in unnötigen Diskussionen zu verlieren. In dieser Zeit kann man das Problem richtig analysieren und den geeigneten Weg aus dem Zombie-Dasein entwickeln. Anschließend geht man gestärkt dem Ziel entgegen.

 

Warum Zombies die Weltherrschaft übernehmen wollen, wird im Film nicht klar. In Projekten ist es dagegen viel offensichtlicher. Hier geht es um Macht, um Gewohnheiten und die vermeintliche Sicherheit. Die Aggressivität geht eher von der Führungsmannschaft aus, die um fast jeden Preis ihr Projekt oder ihr Arbeitsumfeld verteidigen wollen. Natürlichen wollen sie auch wie die Filmzombies irgendwann die Früchte und die Anerkennung für ihre Leistung ernten und auf ein Umfeld blicken, das ihnen hörig ist.

 

Lassen Sie es nicht so weit kommen. Entlarven Sie die Zombies frühzeitig, stellen Sie den Menschen wieder in den Mittelpunkt und handeln Sie beherzt, um dem Projekt schnellstmöglich neues Leben einzuhauchen. Ihr Unternehmen und Ihre Mitarbeiter werden es Ihnen danken.

 

 

Mein Filmfazit:

Absolut sehenswert und zwei unterhaltsame Lehrstunden für jeden Projektmanager. Mit vielen Aha-Effekten für die Projektwelt. Auch empfehlenswert, wenn einem nicht nach Horrorfilmen zumute ist, weil einen beispielsweise die Projekthölle gerade selber fest im Griff hat. Tipp: dann erst recht!

 

Vortrag zum Artikel

Zombie-Projekte: Was Sie von Zombies für Ihre Projekte lernen können.

 

Live-Mitschnitt 1. PechaKucha Night in Bonn

11.04.2014


© Bianca Fuhrmann mit ihrem Buch Projekt-Voodoo® aus dem GABAL-Verlag
Bianca Fuhrmann

Zur Autorin:

Bianca Fuhrmann, Diplom-Ingenieurin, Systemischer Business Coach (SHB), Buchautorin und Vortragsrednerin, ist seit über 15 Jahren als Projektmanagementexpertin und als Projekt- und Führungskräfte-Coach tätig. Sie ist die Entwicklerin der Projekt-Voodoo®-Strategie. Zu ihren Kunden zählen namhafte DAX-Unternehmen und innovative Mittelständler.

 

Ihr Buch zum Thema heißt:

PROJEKT-VOODOO®: Wie Sie die Tücken des Projektalltags meistern und selbst verfahrene Projekte in Erfolge verwandeln. 

Der Krisen- und Konfliktmanagement-Ratgeber für den Projektalltag für Projektleiter und Führungskräfte!

Werfen Sie einen Blick auf den Buchtrailer oder direkt ins PROJEKT-VOODOO®-Buch.

 

Sie wollen mehr darüber erfahren wie ich Sie und Ihr Team auf Projekterfolgskurs bringen kann, dann schreiben Sie mir an info@bianca-fuhrmann.de oder füllen Sie das Kontaktformular aus.



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Kommentare: 1
  • #1

    Ulla Schneider (Montag, 30 Juni 2014 09:53)

    Eine wirklich außergewöhnliche Filmkritik!
    Spannend, was man mit offenem Blick aus solch einem Kassenschlager für sich mitnehmen kann.
    Wunderbar, die Parallelen zum Projektmanagement und den Zombies, die wir alle aus dem Projektalltag kennen.
    Hervorragend, die Lösungsansätze!
    Du hast mich neugierig auf den Film gemacht - den ich wohl sonst nie besucht hätte.
    Vielen Dank, Bianca