Business-Zombies im Jammersumpf

Nur kurz vor Halloween, wenn sich Diesseits und Jenseits auf seltsame Weise nahe kommen, kann man sich den Business-Zombies im Jammersumpf mit der richtigen Ausrüstung ungefährdet nähern. Folgen Sie mir vorsichtig und achten Sie auf der gesamten Reise in den Jammersumpf darauf, dass Sie Ihr ganz persönliches POP-Zombie-Abwehrschild allzeit bereit haben.

von Margit Hertlein

© Margit Hertlein, Jochen Wieland, Sandra Schulze, die lange Business-Zombie-Woche, 22.-.31.10.2014, #BusinessZombie
© Margit Hertlein, Jochen Wieland, Sandra Schulze

Der Nebel windet sich in Schwaden um das knochenweiße Gerippe einer verkrüppelten Kiefer. Die einzige Erhebung in einem Meer voll torfiger Löcher, aus denen es im fahlen Licht des Mondes zu brodeln scheint. Ein Kauz schreit durch die Nacht und der Wind zieht kalt in die Krägen der Wanderer. Eine Szenerie wie aus einem Edgar-Wallace-Film gestohlen, keine Gegend, in die man freiwillig seinen Fuß setzen würde, wenn man nicht müsste. Wir müssen. Im Dienste der Wissenschaft, im Dienst der Wirtschaft, im Dienste der Erkenntnis. Es ist gruselig, aber auch faszinierend, was uns dort draußen im Moor erwartet.

 

Leise jetzt! Man kann sie schon hören. Ein lang gezogenes weinerliches Lamento schwingt von weit drüben heran. Wir kämpfen uns vorwärts und als wir mit einem letzten schmatzenden Schritt um einen giftig wuchernden Busch herumtreten, da sehen wir sie. Keine Legende, kein Mythos, die nackte, traurige und erschütternde Wahrheit: die Business-Zombies.

Die härteste Führungskräfte Exkursion der Welt – der Business-Zombie-Jammersumpf

Es gibt sie wirklich. Eng aneinandergedrängt stecken sie bis zur Brust im Morast und stimmen ein in den Chor der Enttäuschten, der Zu-Kurz-Gekommenen und auf ewig Frustrierten. „Herzlich Willkommen im Jammersumpf“, raune ich meinen Begleitern zu. Mit bleichem Gesicht verfolgen sie die Wehklagen der Sumpfbewohner. Ich sehe es ihnen an, sie haben Angst. Und das ist gut so.

 

In der Woche vor Halloween unternehme ich diese kleine, erfrischend ernüchternde Exkursion in den Jammersumpf jedes Jahr aufs Neue. Nur wenige Führungskräfte sind diesem Szenarium gewachsen. Nur wenige kann ich dieser Prüfung aussetzen. Aber es ist wichtig sich dieses emotionale Biotop in all seinem Schrecken zu vergegenwärtigen, in dem so viele landen, ohne es überhaupt zu merken. „Schaut sie euch an“, raune ich meinen Begleitern zu. „Das könntet ihr sein, schneller als ihr denkt.“ Der Mann neben mir wird noch bleicher, als er ohnehin schon ist. „Mein Gott, das ist meine Sekretärin …“ murmelt er und wankt.

Nur eine von vielen im Business-Zombie Jammersumpf. „Wie konnte nur?“, stottert der Mann vor sich hin. „Sie war doch so fröhlich, so motiviert …“ Tja, so geht es am schnellsten ins Verderben. Und zwar dann, wenn man nicht ordentlich auf sich Acht gibt und blauäugig in fragwürdige Gesellschaft gerät. Je größer die Begeisterung am Anfang einer Aufgabe, eines Jobs, eines Lebensabschnitts, desto grundlegender und gefährlicher kann die Ernüchterung ausfallen.

Alltag ist nicht sexy

Es ist nahezu unmöglich, dass das Neue so rosarot ausfällt, wie man sich das in seinen Träumen vorgestellt hat. Denn tatsächlich heißt der Alltag nun mal Alltag, weil er all Tag da ist. Und das klingt zu recht wenig aufregend und nicht sehr sexy. Auch der neue Job hat seine ungemütlichen Seiten und das wird einem umso bitterer bewusst je mehr man sich ihn als die Lösung aller Probleme ausgemalt hat. Kommen Rückschläge, ein mittelmäßiger Chef, neidische Kollegen oder persönliche Niederlagen hinzu, dann ist der Weg in Richtung Jammersumpf schon mal bereit. Und wenn dann noch Menschen bereitstehen, die mit Jammern locken ….


Man muss es den Business-Zombies im Jammersumpf lassen - wie alle wirklich gefährlichen Versuchungen im Leben hat er seine verführerischen Seiten. Wenn man nur genug frustriert ist, kann ein Zombie-Adept dem Reich der emotional Untoten tatsächlich einen Reiz abgewinnen. Die Business-Zombies schenken ihnen das, was sie am dringendsten brauchen: die Unterstützung Gleichgesinnter und praktischerweise auch noch ein paar Schuldige.

3 Lieblingssätze der Business-Zombies im Jammersumpf

Das verbindende Element aller Jammersümpfler sind denn auch die drei Grundsätze:

 

1. Die anderen sind schuld!
2. Warum nur immer ich?
3. Niemand erkennt mein Genie!

 

Denn irgendwie muss man sich selbst ja erklären, warum es alles nicht so geworden ist, wie man sich das vorgestellt hat. Und da der Mensch nun mal ungern sich selbst die Schuld gibt, sucht er sie lieber in einer ungerechten Welt, einem ungerechten Chef und den fiesen Intrigen im Büro.

 

Um diesem Lamento Glaubwürdigkeit zu vermitteln, braucht es noch ein paar Business-Zombies, die in den Chor mit einstimmen, denn erst recht in der Verzweiflung gilt: Zusammen ist man weniger allein. Und so steht man schon mit eineinhalb Beinen im Jammersumpf, wenn man sich in den Kaffeeküchen dieser Welt zum regelmäßigen, verschwörerisch wispernden Zirkel trifft, um die neuen Unfähigkeiten der Chefetage, die neuen Ausrutscher des Abteilungsleiters und die geschmacklosen Kostüme der beförderten Kollegin gehässig zu kommentieren. Die Jammersümpfler wissen genau, wie es besser ginge. Für eine Steuerreform bräuchten sie nicht mal einen ganzen Bierdeckel, verheiratet wären sie am besten mit sich selbst und den Ball, den Thomas Müller da gerade aus drei Metern übers Tor geschaufelt hat, den hätten sie blind verwandelt. Sie können es vor allem deswegen so gut wissen, weil sie einigermaßen sicher sein können, dass sie es nie selbst versuchen werden müssen. Denn sie haben es sich in ihrer emotionalen Hängematte der Frustration über eine ungerechte Welt bequem gemacht und wollen jetzt lieber jammern als selber machen.

POP – das ultimative Business-Zombie-Abwehrschild

Auf einmal ist es still im Sumpf. Die Zombies schweigen, recken ihr Köpfe wie auf ein geheimes Signal in unsere Richtung hin und wanken langsam, aber beständig auf uns zu. Eine meiner Begleiterinnen stößt einen spitzen Schrei des Entsetzens aus und auch mir rutscht das Herz in die Hose. Ich reiße meinen Zombie-Abwehrschild POP in die Höhe und die Kreaturen im Sumpf stöhnen auf, weichen zurück.

© Margit Hertlein, Sandra Schulze, die lange Business-Zombie-Woche, 22.- 31.10.2014, #BusinessZombie
© Margit Hertlein, Sandra Schulze

Wir flüchten, es war knapp diesmal. Der Erfolg aber gibt unserer kleinen Exkursion Recht, von meinen Begleitern wird so schnell keiner im Jammersumpf landen. Noch in derselben Nacht beginnen sie, ihre eigenen POP-Schilder zu basteln. Die helfen nicht nur gegen Zombies, sie verhindern auch, dass man selbst einer wird. Hinter der Abkürzung verbirgt sich das Persönliche Optimismus Programm. Denn, wer nicht in den Jammersumpf abgleiten will, der muss an der Ernüchterung ansetzen, die auf die lobenswerte anfängliche Begeisterung folgt. Und das bedeutet nicht nur, dass man Ernüchterung als elementaren, wenn auch unerfreulichen Bestandteil des Lebens ansieht, sondern schließt auch die grundlegende Überzeugung mit ein, dass nicht immer alles schlecht bleiben muss, bloß weil man mal eine schlechte Woche hatte. Verzeihen Sie sich Rückschläge, vergleichen Sie Ihre Situation nicht mit einem erträumten Idealbild und glauben Sie daran, dass Sie es selbst in der Hand haben und dass nach einer dunklen Nacht bisher noch immer die Sonne aufgegangen ist. Selbst an Halloween …

 

Ihre Margit Hertlein

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Margit Hertlein

© Margit Hertlein, Jochen Wieland, die lange Business-Zombie-Woche, 22.-.31.10.2014, #BusinessZombie
© Margit Hertlein, Jochen Wieland

Margit Hertlein ist mitreißend, humorvoll und ganz nah dran, wenn Theorie und Alltag völlig unvorbereitet aufeinander-prallen. Sie hält leiden-schaftlich gern Vorträge und geht seit fast 20 Jahren als Kommunikationsexpertin ungewöhnliche motivierende Wege. Margit Hertlein ist Vortrags-rednerin des Jahres 2013.


www.margit-hertlein.de

www.raus-aus-dem-jammersumpf.de

Ihr Buch zum Thema lautet:

Raus aus dem Jammersumpf von Margit Hertlein erschienen im ARISTON Verlag 2014.


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Über Bianca Fuhrmann

Bianca Fuhrmann, Diplom-Ingenieurin, systemischer Business Coach (SHB), Buchautorin und Vortragsrednerin, ist seit über 15 Jahren als Expertin in der Führungskräfteentwicklung und im Projekt-Krisenmanagement tätig.

Sie ist die Entwicklerin der Projekt-Voodoo®-Strategie für Führungskräfte und berät Unternehmen, wie diese Zombie-Projekte wiederbeleben können.


Ihr Buch zum Thema trägt den Titel „PROJEKT-VOODOO®.


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Kommentare: 1
  • #1

    Margit Hertlein (Mittwoch, 22 Oktober 2014 18:24)

    Oh Du liebe Güte, ich hoffe Sandra Schulze wird mir verzeihen. Denn die Fotos sind von Jochen Wieland, aber die Zeichnungen dazu hat Sandra Schulze gemacht.
    Und auch das POP-Schild!