Business-Zombies lauern überall: Business-Diplomatie zeigt Wege aus der Zombiefalle

Das goldene Kalb, um das alle tanzen inmitten von Heuschreckendebatten, Weltwirtschaftskrisen und globalem Wettbewerbsdruck heißt Profit und Gewinnmaximierung. Auf der Strecke zu Rekordumsätzen und DAX-Indizes bleibt nicht selten der Mensch, der Mitarbeiter, der zur „Ressource“, zum Humankapital erklärt wird. Doch seelenlos nach Zombieart sind in Wahrheit diejenigen, die sich vor Moral, Anstand, Respekt, sozialem Gewissen und Verantwortung für Menschen, Waren, Rohstoffe, Unternehmen, Kunden und Mitarbeiter drücken.

Von Wulf-Hinnerk Vauk

 

Business Diplomatie © Bianca Fuhrmann - Die lange Business-Zombie Woche 2014 #BusinessZombie
Business Diplomatie © Bianca Fuhrmann


 

Seelenlos und nicht wertschätzend mit Menschen umzugehen, ist nicht nur ein bekanntes Phänomen im Businessalltag, sondern offensichtlich so etwas wie Common Sense, wenn ich das Kartenspiel „Plan Social“ der französischen Firma Airplay richtig deute. Bei dieser selbstgewählten und zweckfreien Freizeitbeschäftigung müssen die Spieler möglichst viele Menschen entlassen. Für Schwangere, Behinderte und Gewerkschaftler gibt es Sonderpunkte. Wer die meisten Mitarbeiter gefeuert hat, ist Sieger und darf die Produktion in Frankreich dichtmachen und z. B. nach China verlagern. Die Erfinder dieses Spiels würde ich genauso zur Spezies der „Business Zombies“ zählen wie die Politiker, Führungspersönlichkeiten und Manager, deren Führungsstil ohne moralischen Anspruch und ohne Werte auskommt.

 

Manager sinken in Beliebtheitsskala

Skala © Bianca Fuhrmann - Die lange Business-Zombie Woche 2014 #BusinessZombie
Skala © Bianca Fuhrmann

Der derzeit gelebte Führungsstil zeigt gesellschaftlich bereits Wirkung: Waren in der Vergangenheit die Manager bei Beliebtheitsumfragen noch auf den vorderen Rängen platziert, befinden sie sich aktuell im Mittelfeld mit der Tendenz ins untere Drittel abzurutschen. Bei einer vom Hamburger Marktforschungsinstitut Harris Interactive durchgeführten Umfrage aus dem Jahr 2009 waren sich 81 Prozent von 2000 Befragten darin einig: „Manager sind unmoralisch“.

 

Spielkarten © Bianca Fuhrmann - Die lange Business-Zombie Woche 2014 #BusinessZombie
Spielkarten © Bianca Fuhrmann

Das ist die eine Seite der Medaille. Auf der anderen Seite kommt neben dem Shareholder Value verstärkt der Stakeholder Value in den Blick, der nicht ausschließlich auf den Wert eines Unternehmens fokussiert ist, sondern auch die Interessen der Kunden, Lieferanten und den Staat miteinbezieht. Laut Wikipedia (http://de.wikipedia.org/wiki/Stakeholder) kann  „Stake“ mit Einsatz, Anteil oder Anspruch übersetzt werden, „holder“ mit Eigentümer oder Besitzer. Der Stakeholder ist daher jemand, dessen Einsatz auf dem Spiel steht und der daher ein Interesse an Wohl und Wehe dieses Einsatzes hat. Im übertragenen Sinne wird „Stakeholder“ heutzutage nicht nur für Personen verwendet, die tatsächlich einen Einsatz geleistet haben, sondern für alle, die ein Interesse am Verlauf oder Ergebnis eines Prozesses oder Projektes haben; beispielsweise auch Kunden oder Mitarbeiter.

 

To do-Liste für Unternehmen

ToDo-Liste © Bianca Fuhrmann - Die lange Business-Zombie Woche 2014 #BusinessZombie
ToDo-Liste © Bianca Fuhrmann

Gibt es also einen Wandel im Denken und Handeln in der Wirtschaft? Und was muss passieren, damit der Stakeholder-Gedanke und damit ein anderer, besserer Führungsstil in den Führungsetagen greift?

 

  1. Börsennnotierte Unternehmen sollten langfristig denken. Noch immer ist das Denken in den Unternehmen von den Analysten und von kurzfristigen Entscheidungen geprägt oder sogar davon getrieben.

  2. Manager sollten bei Fehlentscheidungen nicht länger einfach abtauchen dürfen. Rechenschaftsberichte oder Konsequenzen mit weitreichenden Folgen für die Führungskraft selbst oder für Familienangehörige gibt es derzeit nicht. Fehlentscheidungen werden oft mit dem Mantel der konjunkturellen Schwierigkeit umhüllt und als gegeben dargestellt. 1,2 Milliarden Gewinn zu machen, aber dennoch  11.000 Stellen abzubauen, dadurch geraten Konzerne in keinen wirklichen Legitimationsdruck.

  3. Universitäten, Fachhochschulen sowie staatliche und private Businessschulen sollten statt „Sozialautismus“ moralische Kompetenz in ihren Lehrplan aufnehmen. Laut dem Wirtschaftsethiker Prof. Dr. Bernd Noll von der Hochschule Pforzheim ist das Menschenbild, das in Business Schools und Universitäten vermittelt wird, das des egoistischen Homo oeconomicus. Der Moralpsychologe Professor Dr. Georg  Lind von der Universität Konstanz glaubt, dass das klassische Wirtschaftsstudium die Fähigkeit, moralisch kompetent zu denken, aufgrund seiner Struktur untergräbt: „Es ist derart mit Fakten- und Statistikwissen überhäuft, dass die Gelegenheiten, das eigenständige Nachdenken und Diskutieren zu trainieren, zu kurz kommen.“ (Zitiert nach Sylvia Jumpertz, in: managerSeminare Heft 158 (Mai 2011), S. 26f.)

  4. Die Wahrnehmung der Mitarbeiter muss sich ändern: Mitarbeiter sind keine Ressourcen, sondern die Seele des Unternehmens.Noch mehr als durch die Ausbildung an den Universitäten werden angehende Manager und Führungskräfte durch die soziale Situation in den Unternehmen geprägt. Herrscht hier der Grundsatz “Der Zweck heiligt die Mittel“, dann ist dieses bestimmend für das Handeln. Im Ergebnis hat man Führungskräfte mit einer Ellbogenmentalität, die eine sozialautistische Karriere aufs Business-Parkett legen.

  5. Starre Mitarbeitergespräche sollten einem ergebnisoffenen  Dialog weichen. Echte Gespräche finden in vielen Unternehmen nicht statt. Man diskutiert mit den Mitarbeitern erst dann, wenn die Entscheidungen bereits getroffen wurden und / oder das Ergebnis der Diskussion schon im Vorhinein feststeht. Andererseits wird ein unmittelbares Feedback an die Vorgesetzten nicht selten durch die hierarchischen Strukturen verhindert, die eine Kommunikation von unten nach oben nicht zulassen. Für die Führungskräfte bedeutet dies aber auch, dass es ihnen an einem echten Korrektiv fehlt. Selbst Berater und Coaches dringen nicht immer bis zu den wirklichen Entscheidern vor.

Business-Diplomaten sind die Manager 3.0

Manager Vier-Punkte-Plan © Bianca Fuhrmann - Die lange Business-Zombie Woche 2014 #BusinessZombie
Manager Vier-Punkte-Plan © Bianca Fuhrmann

Aber wer hat das Rüstzeug, den Mumm, diese fünf Punkte auch im Businessalltag um- und durchzusetzen? Das haben Manager und Führungskräfte, die diplomatische Eigenschaften und Wertvorstellungen mitbringen - wobei nicht jeder ein geborener Diplomat wie Kardinal Richelieu ist. Aber das diplomatische Handwerkszeug lässt sich erlernen und trainieren.






Vier Merkmale machen aus Managern Business Diplomaten:

  1. das Feeling fürs richtige Timing,
  2. ein guter Kommunikationsstil,
  3. der wertschätzende Umgang mit den Mitarbeitern,
  4. die richtige Intuition/das richtige Bauchgefühl,


welches sich umsichtig und ausdauernd im Verhalten widerspiegelt.

Das sind Fähigkeiten, die Menschen von klein auf von ihrem sozialen Umfeld lernen. Sie prägen den Charakter eines jeden und machen seine innere Haltung aus.

Insbesondere Manager sind dann gehalten, diese so genannten Softskills im Unternehmen nicht nur zu zeigen, sondern sie als Vorbilder vorzuleben, sie zu verkörpern. Solche Manager sind das wohl wirkungsvollste Gegengift gegen seelenlose Business-Zombies.

 

Ihr Wulf-Hinnerk Vauk

 

 

Fotorechte Autorenporträt: © Wulf-Hinnerk Vauk

Illustrationen: © Bianca Fuhrmann

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Wulf-Hinnerk Vauk

© Wulf-Hinnerk Vauk  - Die lange Business-Zombie Woche 2014 #BusinessZombie
© Wulf-Hinnerk Vauk

Wulf-Hinnerk Vauk

ist Diplombetriebswirt, Autor, Berater und Coach. Seine Karriere startete in der Hotellerie, er war Butler, Dozent an einer Hotelfachschule, Club-Manager, Inhaber eines Gourmet-Restaurants und Verwaltungschef bei E.ON.

2010 gründete er das Unternehmen Vauk Business Diplomatie und entwickelte das Seminarmodul „SWITCH Umschalten auf Charakter“ für Manger und Führungskräfte. Er lehrt am Rheinischen FührungsColleg und ist Mitglied des Arbeitskreises Unternehmensprotokoll (AKUP). Buchveröffentlichung mit A. Hoffmann: „Kekse für Putins Hund. Wahre und lehrreiche Geschichten aus der Welt der Business Diplomatie“ (Shaker Media Verlag).  Weitere Informationen unter www.vaukbusiness.com.


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Die lange Business-Zombie-Woche, 22.-31.10.2014, © Bianca Fuhrmann , #BusinessZombie
Die lange Business-Zombie-Woche, 22.-31.10.2014, © Bianca Fuhrmann

Kommentar schreiben

Kommentare: 3
  • #1

    Wolf Rübner (Sonntag, 26 Oktober 2014 13:02)

    Das kann ich nur unterstreichen. Business Zombie ist ein wunderbar plakative Bezeichnung für die herrschende Klasse von Managern. Der geschäftsführende Gesellschafter von GARDEUR - der diesen Hosenhersteller mit einer werttschätzenden Strategie aus der Insolvenz führte - sprach in einem Vortrag davon, daß es nur schlechte und sehr schlechte Führung gäbe. In 35 Berufsjahren habe ich den gleichen Eindruck gewonnen.

  • #2

    Hans Walter Putze (Sonntag, 26 Oktober 2014 13:03)

    Laut dem " Fremdwörter Duden "sind "Zombies" ...."willenlose Tote".
    Wenn dem so ist, geht doch jegliche, berechtigte Kritik ins Leere.
    Denn Tote sind von Natur aus willenlos! Oder habe ich etwas nicht verstanden?
    Mit willentlichen freundlichen Grüßen
    Walter Putze

  • #3

    Sabine Möller (Sonntag, 26 Oktober 2014 13:17)

    Schöne Regeln!!! Ich hoffe, es finden mehr Führungskräfte den Mut zur Umsetzung!!!