Business-Zombie: Der Aggrex (Aggro-Extro-Zombie) ... und wie Sie ihn als leiser Mensch besiegen

Die gefährlichsten Zombies sind die, die mit ganz anderen Waffen als wir selbst kämpfen. Doch besiegen lassen sie sich alle. Wenn wir wissen, wie...

von Dr. Sylvia Löhken

 

Status: laut und seelenlos

Der Aggrex, also der Aggro-Extro-Zombie, ist die untote Form des aktiven Extrovertierten. Der steigert in lebendigem Zustand eigentlich fröhlich und erfolgreich die Firmenumsätze, beflügelt Teams mit seiner Begeisterung zu Höchstleistungen und verwandelt langweilige Meetings in Happenings. Seine nach außen gerichtete Energie schenkt ihm eine lebendige Sprache und lässt ihn mutig Hürden überwinden. Oft ist er ein begnadetes Party-Tier – nicht nur zu Halloween.

Als Zombie hat der Aggrex noch immer mehr als genug Tatkraft– anders als seine Zombie-Kollegen hat er überhaupt kein Problem mit Trägheit. (Sie wissen schon, dieser schlurfende Zombie-Gang...) Er ist noch immer ein Party-Tier – besonders an Halloween, weil alle denken, der Gesichtsausdruck gehört zur Verkleidung. Beim Aggrex ist also die Extro-Energie aus seelenvolleren Zeiten noch immer da. Schlimm ist: Er hat eben nach dem bekannten Zombiestandard seine Seele verloren – und damit auch seine Menschenfreundlichkeit.

Irgendwo muss sie aber hin, die seelenlose Extro-Energie. Der Aggrex nutzt sie gemeinerweise, um vampirähnlich die Erfolge seiner leisen Mitmenschen aus selbigen herauszusaugen.


cunning businessman © Artrany Fotolia.com
cunning businessman © Artrany Fotolia.com

Zombies leisten bekanntlich nur in einem einzigen Bereich etwas: in der Nahrungsaufnahme, weil sie ihren untoten Status irgendwie erhalten wollen. (Selbst Zombies hängen an ihrem Nichtleben.) Und Status muss sein – das gilt, wenn Sie sich hier einmal umsehen, eigentlich für alle Business-Zombies. Da der Aggrex nun selbst nicht mehr erfolgreich sein kann, um seinen Status zu sichern, saugt er ihn also da ab, wo er am wenigsten Widerstand erwartet: aus den Hirnen leiser Menschen, die anders als er selbst sind: weder laut noch aggressiv...


Laute(r) Szenen

Die typische Erfolgsabsaugaktion läuft dann so ab:

Leise Kollegin im Meeting: Wir haben nach unserer Recherche also ein ziemlich klares Ergebnis: Solange wir das Patent allein haben, werden wir die Nachfrage für das Medikament auf dem neuen Markt sehr wahrscheinlich so steigern können, dass wir die Gewinnzone ungefähr in (...)

Aggrex (laut unterbrechend): Jaja, das ist alles gut und schön. Jetzt geht es aber darum, schnell aktiv zu werden, bevor die Konkurrenz wieder schneller da ist. Ich schlage vor, wir machen jetzt schnellstens Nägeln mit Köpfen: nämlich (...)

Chefin: Alles klar – nehmen Sie das in die Hand, Herr Aggrex?

Leise Kollegin: (guckt fassungslos)

Sie sehen, wie die Sache läuft: Der Aggrex grätscht gnadenlos, wenn wertvolles Wissen präsentiert wird – um sich selbst zu positionieren. Status eben. Und Sie sehen auch, warum die leise Kollegin ein so schönes Opfer für den erfolgshungrigen Zombie ist: Sie ärgert sich nach innen, nicht nach außen.

 

Her mit den leisen Waffen!

Wenn Sie ein leiser Mensch sind, ist zweierlei passiert: Erstens haben Sie sich an ähnliche Situationen mit den Aggrexen in Ihrem eigenen Berufsalltag erinnert. Fiese Zombies sind das, hm? Zweitens fragen Sie sich an dieser Stelle, wie Sie in einer solchen Situation eigentlich mit dem Aggrex umgehen können, ohne selbst zu einem zu mutieren.

Zum Glück haben Sie in Ihrem leisen Repertoire ein ganzes Arsenal an Entwaffnungsmöglichkeiten. Verteidigen Sie also Ihr Gehirn – als Aggrex-Futter ist es nun wirklich zu schade.

Was genau Sie tun können? Stellen Sie sich vor, der Aggrex hat gerade das gesagt, was er oben gesagt hat. Wählen Sie selbst. Hier sind einige leise Lieblingswaffen.

 

Leise Lieblingswaffe 1: Für klare Regeln während aller Meetings sorgen

Moderator: Sie wissen doch, lieber Aggrex – immer erst ausreden lassen, hm? Steht an der Wand!

Vorteil dieser Variante: Allgemeine Regeln gelten für alle – auch leise Moderatoren finden es relativ leicht, ohne Ansehen der Person auf sie hinzuweisen. Klappt oft sogar bei Vorgesetzten!

 

Leise Lieblingswaffe 2: Freundlich weiterreden und das Gesagte für die eigene Positionierung nutzen

Leise Kollegin: Ja, lieber Aggrex, das finden wir auch. Deshalb haben wir schon einmal dafür gesorgt, dass die erste Niederlassung schon nächste Woche (...)

Dazu brauchen Sie eine relativ schnelle Reaktionsfähigkeit. Wenn Sie ein wenig trainieren, brauchen Sie nur soviel Zeit, wie Sie brauchen, um "Ja, lieber Aggrex" zu sagen, um sich den Inhalt danach zu überlegen. Wenn Sie nicht gerade mit einer Niederlassung punkten können, reicht es zu sagen, dass Sie bereits daran arbeiten. Denn es geht vor allem um eins: um das Weiterreden. Geben Sie Ihren Status nicht an einen Zombie ab!

 

Leise Lieblingswaffe 3: Im Vorfeld mit den Entscheidungsträgern reden und ihnen das Wichtigste mitteilen

Chefin: Warten Sie, Aggrex, lassen Sie die Kollegin mal zuende reden. Es gibt da schon ein Team.

Diese Variante hat zwei Vorteile: Erstens sind Vorgesetzte sehr gern früher als andere informiert. Zweitens braucht die leise Kollegin nicht einmal selbst das Wort zurückzuerobern – das macht jemand anderes für sie. Mit einer deutlichen Signalwirkung: Der Aggrex wird sich nicht noch einmal trauen, ihr ins Wort zu grätschen.

 

Leise Lieblingswaffe 4: Humorvoll die Zähne zeigen

Leise Kollegin: Mooooment, lieber Aggrex – sind Sie mir da gerade ins Wort gefallen? Vor allen anderen? Nee, oder? Also, was ich sagen wollte, (...)

Die leise Kollegin muss gar nicht laut sein – sie braucht nur zu erreichen, dass ihr "Mooooment!" den Aggrex schon im Ansatz stoppt. Wenn sie eine sehr leise Stimme hat, hilft tief Einatmen und ein zusätzliches Heben der Hand.

 

Leise Lieblingswaffe 5: Mit Liebenswürdigkeit punkten

Legen Sie dem Aggrex freundlich die Hand auf den Unterarm, während Sie antworten. Das geht natürlich nur, wenn Sie neben ihm sitzen. Wenn nicht, können Sie ihn anlächeln – noch eine Art, unzombiehaft die Zähne zu zeigen!

Und womöglich kommt mit dieser letzten Lieblingswaffe beim AggreX ja sogar ein Stück von seiner Seele zurück...

 

Viel Freude beim Ausprobieren Ihrer leisen Zombieentwaffnungstaktiken. Die gute Nachricht lautet: Die meisten Extros haben ihre Seele noch. Da können Sie Ihre Waffen zusammenlegen, um die Welt da draußen zu erobern!

 

Ihre

Dr. Sylvia Löhken

 

Fotorechte Autorenporträt: © Dr. Sylvia Löhken

Foto: cunning businessman © Artranq Fotolia.com

 

 

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Dr. Sylvia Löhken

© Dr. Sylvia Löhken - Die lange Business-Zombie Woche 2014 #BusinessZombie
© Dr. Sylvia Löhken

Dr. Sylvia Löhken ist Expertin für persönlichkeitsbasierte Kommunikation. In ihren Vorträgen, Coachings und Workshops zeigt sie, welche Stärken verschiedene Persönlichkeitstypen bei der Verwirklichung ihrer beruflichen und privaten Ziele nutzen können. Sie übersetzt wissenschaftliche Erkenntnisse und komplexes Know-how in einfache Worte und gut umsetzbare Strategien. Ihr Buch Leise Menschen – starke Wirkung wurde mit rund 150.000 verkauften Exemplaren zum Bestseller und in bisher zwölf Sprachen übersetzt. 2014 erschien ihr neuer Titel Intros und Extros. Wie sie miteinander umgehen und voneinander profitieren. Hier gibt sie Antworten auf die Frage, wie intro- und extrovertierte Menschen so zusammen leben und arbeiten können, dass es für beide Persönlichkeitstypen passend und nutzbringend ist. Mit der Pink University publizierte sie ein Videoseminar speziell für introvertierte Pesönlichkeiten: Introvertiert – und erfolgreich im Beruf.


Auf ihrem Videokanal sind alle bisherigen Folgen des Laut-Leisen Diwan, auf dem sich Sylvia Löhken und Margit Hertlein über den "anderen kleinen Unterschied" unterhalten.


Ihr Buch zum Thema lautet:

Intros und Extros


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Die lange Business-Zombie-Woche

Die lange Business-Zombie-Woche, 22.-31.10.2014, © Bianca Fuhrmann
Die lange Business-Zombie-Woche, 22.-31.10.2014, © Bianca Fuhrmann

Über Bianca Fuhrmann

Bianca Fuhrmann, Diplom-Ingenieurin, systemischer Business Coach (SHB), Buchautorin und Vortragsrednerin, ist seit über 15 Jahren als Expertin in der Führungskräfteentwicklung und im Projekt-Krisenmanagement tätig.

Sie ist die Entwicklerin der Projekt-Voodoo®-Strategie für Führungskräfte und berät Unternehmen, wie diese Zombie-Projekte wiederbeleben können.


Ihr Buch zum Thema trägt den Titel „PROJEKT-VOODOO®.


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Kommentare: 1
  • #1

    Margit Hertlein (Montag, 27 Oktober 2014 18:56)

    Danke liebe Sylvia, Du hast es wieder auf den Punkt gebracht....schließlich sind die Unterschied das Salz in der Kürbissuppe, wenn man ihnen mit Seele - sprich wertschätzung - entgegenkommt.